Bafög - nicht fair!

Ich habe kein Anrecht auf Bafög. Bisher hat mich das nur bedingt gestört. Der Grund, weshalb ich kein Bafög erhalten würde, ist, dass meine Eltern, gemeinsam betrachtet, "genug" verdienen um meine Ausbildung zu finanzieren. Alleine zu beurteilen, ob die Eltern "genug" Geld verdienen, fand ich seit jeher anmaßend. Meine Eltern sind geschieden, neu verheiratet, in neuen Familiensituationen. Kann man oder muss man da erwarten, dass sie das Studium des Kindes finanzieren? Der Staat sagt wohl: Ja. Also, kein Bafög für mich.


Wie gesagt, bisher war das kein Problem für mich. Ich bin froh, dass ich keine Schulden aufnehmen muss für mein Studium, dass ich nicht neben meinem späteren Beruf noch jahrelang Geld zurückzahlen muss. Froh, dass ich mich nicht mit den Bafög-Fristen und der Regelstudienzeit herumschlagen muss. Froh und dankbar, dass mein Vater tatsächlich bereit ist, mir mein Studium zu finanzieren.

Aber! Natürlich gibt es ein aber. Sogar mehrere.

Vom Bafög-Höchstsatz war ich schon immer weit entfernt. So habe ich sehr schnell begonnen neben dem Studium zu arbeiten um mir ein bisschen mehr Luxus im Alltag leisten zu können. Während meiner WG-Zeit, in der ich 225€ im Monat für Miete für ein 16m²-Zimmer habe zahlen müssen, war dieser Luxus sehr überschaubar. Schon ein Einkauf im Supermarkt mit frischem Obst, eine Apothekenrechnung bei der winterlichen Grippe oder die Praxisgebühren bei den verschiedenen Ärzten (Überweisungen halfen ja nicht immer) mussten gut überlegt und einkalkuliert werden.

Zwischendurch hatte ich dann mehr als nur einen Nebenjob, nämlich bis zu drei Jobs. Ich finde es vollkommen in Ordnung, dass ich arbeite, um mir etwas leisten zu können. Ich habe mit meinen Nebenjobs schon immer ein glückliches Händchen gehabt und mache meistens Dinge, die mir wirklich Spaß machen. Natürlich gibt es Ausnahmen: Inventur in einem unklimatisierten Kaufhaus im Hochsommer für einen Minilohn sorgte für meine Hängematte im Garten. Eine durchgearbeitete Nacht bei der Uniparty sicherte die Lektüre für meine Seminare. Außerdem ging ich Blut spenden, wofür man hier Geld bekommt. Einmal Blut spenden für neue Schuhe, einmal für eine neue Handykarte. Dass meine Eisenwerte dazu eigentlich nicht wirklich geeignet waren? Naja, nicht so wichtig.

Mittlerweile wohne ich mietfrei, ein unfassbares Glück und großes Privileg. Ich habe noch immer zwei Jobs, neben meinem Masterstudium, nachdem ich einen gekündigt habe um mehr Zeit fürs Studium zu haben. Gerne hätte ich es vermieden, nebenher so viel zu arbeiten, und habe mich daher für das Masterstudium auf ein Stipendium beworben. Stipendien, die keine aktive politische Arbeit erfordern sind selten. Ich fand eins für das ich mir sogar recht gute Chancen ausmalte. Bekommen habe ich es leider nicht. Bekommen hat es eine Kommilitonin, die das selbe Fach studiert wie ich. Wir kennen uns und ich weiß, was sie so nebenher macht. Der entscheidende Unterschied zwischen uns, rein objektiv? Sie engagiert sich in der Fachschaft und weiteren universitären Gremien. Und: Sie bekommt den Bafög-Höchstsatz und muss nicht nebenher arbeiten um ihr Studium zu finanzieren. Dass sie diese gewonnene Zeit der gemeinnützigen Arbeit widmet, finde ich lobenswert. Aber sie hat die Zeit nun einmal, die anderen Menschen fehlt.

Und man sollte bedenken, dass ich es gut habe, weil ich nur arbeite, um zwischen Minimum und kleinem Luxus zu überbrücken. Andere Kommilitonen bekommen weniger Unterstützung von ihren Eltern, oder gar keine. Das ist das zweite deutliche "aber". Studenten, die nicht Bafög-berechtigt sind da ihre Eltern "genug" verdienen, aber einfach nicht genug erhalten. Theoretisch verlangt der Staat, dass diese Menschen ihre Eltern verklagen und auf ihren Unterhalt bestehen. Aber mal ehrlich...wer macht das schon? Ich bekomme viel von Kommilitonen mit, denen es ähnlich geht wie mir. Die den Mund halten, die Zähne zusammenbeißen und arbeiten gehen. Und nur ganz wenige verklagen ihre Eltern um ihr Studium zu bezahlen. Es sind nur diejenigen, die sowieso kein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben und denen es egal ist, wenn dieses schlechter wird.

Das alles sind keine neuen Gedanken in mir. Aber sie sind aktueller denn je. Denn heute erhielt ich einen Brief meiner Krankenkasse, dass mein Beitrag zum 1. Oktober erhöht wird. Die Begründung: Der Bafög-Höchstsatz sei gestiegen. Und ich? Ich habe noch nie Bafög bekommen und muss nun trotzdem mehr Geld bezahlen. Fair ist das nicht.

2 Kommentare:

  1. Sehe ich auch so!
    Ich bekomme auch kein Bafög und bin darauf angewiesen, dass meine Mutter mich finanziell unterstützt, weil das Geld, das ich in meinem Nebenjob verdiene, längst nicht reicht. Ich rege mich ja gerne mal über die GEZ-Gebühren auf, die man nicht zahlen muss, wenn man Bafög bekommt. Ich bekomme kein Geld und muss sie zahlen! Dabei besitze ich noch nicht einmal einen Fernseher, nutze eigentlich nie die Online-Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender und bei der Auswahl an schlechten Radiosendern hier in Sachsen höre ich lieber meine eigene Musik.
    Naja, so habe ich immerhin keinen Stress, dass ich auch meinen Master nicht in der Regelstudienzeit abschließe...

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    1. Ja, an die GEZ-Gebühren dachte ich beim Schreiben auch... eine weitere Ungerechtigkeit!

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